Manchmal braucht es nur drei kleine Worte – Es war einmal… – und schon wird man in eine andere Welt versetzt. Wer mit den Geschichten der Brüder Grimm aufgewachsen ist, wird sich auf dem Hanauer Märchenpfad sofort zuhause fühlen. Doch Märchen sind mehr als Geschichten für Kinder – sie spiegeln universelle Fragen nach Mut, Gerechtigkeit und Wandel wider. Der Märchenpfad lädt dazu ein, diese Themen mit neuen Augen zu betrachten.
Nach einem nationalen Bildhauerwettbewerb mit über 170 Einsendungen von 74 renommierten Künstlerinnen und Künstlern wurden im Frühjahr 2016 elf Märchenskulpturen in der Innenstadt realisiert. Die Skulpturen zeigen „Märchen aus der Maingegend“, die den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm einst für ihre berühmte Sammlung der Kinder- und Hausmärchen erzählt worden sind.
Zusammen mit den Orten der einstigen Geburts- und Wohnhäuser der Familie Grimm und natürlich dem Nationaldenkmal auf dem Neustädter Marktplatz bilden sie den „Hanauer Märchenpfad“. Die rund zwei Kilometer lange Route ist bequem zu Fuß zu erkunden und ideal für eine kleine Stadtführung auf eigene Faust.
Der Start: Wo Schwäne über dem Wasser gleiten
Die Tour beginnt im Schlossgarten am Congress Park Hanau – ein Ort, der mit seinen Wiesen und Wasserflächen den perfekten Rahmen für das erste Märchen bietet: „Die sechs Schwäne und ihre Schwester“. Die Schwäne scheinen förmlich über das Wasser zu gleiten, während die Schwester am Ufer auf dem Scheiterhaufen steht und auf ihre Erlösung wartet.
Zwischen Altstadtcharme und Märchenfiguren
Weiter geht es Richtung Schlossplatz, vorbei an König Drosselbart, der vor dem alten Kanzleigebäude den Schlossplatz bewacht. Am Altstädter Markt, mitten im historischen Zentrum, wartet der König als Fährmann aus „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Zwischen dem Goldschmiedehaus, Cafés und kleinen Boutiquen lässt sich das Flair der Hanauer Altstadt hier besonders intensiv erleben.
Vom alten Hanau ins neue Herz der Stadt
Der Märchenpfad führt weiter vorbei an den Resten der Stadtmauer und bringt mich direkt ins moderne Hanau. Rund um das Einkaufszentrum Forum Hanau pulsiert das Leben. Auf dem Weg Richtung Innenstadtzentrum entdeckt man vor dem Finanzamt Figuren wie „Daumerlings Wanderschaft“ oder in der Salzstraße das kunstvoll inszenierte „Tischlein deck dich“ samt Esel, aus dessen Maul und Hinterteil Goldmünzen purzeln – ein Augenzwinkern inklusive.
Zwischen Traum und Geheimnis
In der Rosenstraße liegt Dornröschen versunken in tiefem Schlaf. Und während das Mädchen friedlich schlummert, lässt sich gleich gegenüber im Café Schien ein köstliches Grimmtörtchen genießen, bevor es weiter Richtung Nürnberger Straße geht – dort wartet bereits der nächste märchenhafte Fund. Vor der Sparkasse in der Kölnischen Straße liegt er: Der goldene Schlüssel. Die Figur greift das kürzeste Grimm-Märchen auf und lässt viel Raum für eigene Gedanken. Was sich wohl in dem kleinen Kästchen verbirgt? Diese Frage dürfen alle selbst für sich beantworten, während sie weiter durch die Stadt schlendern.
Ein Märchenklassiker und sein zögerlicher Wolf
An der Französischen Allee begegnet man Rotkäppchen, die mit Wein und Brot unterwegs zur Großmutter ist. Neben ihr steht der Wolf – erstaunlich schüchtern statt furchteinflößend. Die Skulptur zeigt, wie sich bekannte Geschichten neu erzählen lassen. Achtung: Auf dem Pflaster vor der Skulptur sind Spuren von Wolfstatzen zu entdecken!